Beauvillé seit 1839: die Geschichte einer außergewöhnlichen französischen Textilmanufaktur

In Ribeauvillé, im Herzen des Elsass, besitzt die Zeit eine besondere Bedeutung. Seit beinahe zwei Jahrhunderten begegnen sich hier Farben und Stoffe, überlieferte Handgriffe und immer neue Entwürfe.

Beauvillé schöpft seine Identität aus diesem außergewöhnlichen Erbe. Hinter der hochwertigen Tischwäsche der Maison steht eine Geschichte voller Innovation, handwerklicher Präzision und Weitergabe. Die Ursprünge der Manufaktur reichen bis 1756 zurück; das Jahr 1839 bildet jedoch einen entscheidenden Wendepunkt.

1756: die Anfänge der Manufaktur

1756 gründete Philippe Stephan in Ribeauvillé eine erste Web- und Druckmanufaktur. Das Elsass war bereits damals eine bedeutende Textilregion, geprägt von Handelsbeziehungen, technischem Wissen und einer besonderen Beherrschung der Farbe.

Nach dem Tod Philippe Stephans im Jahr 1778 wechselte das Unternehmen mehrfach den Eigentümer. 1839 begann mit Charles-Émile Steiner eine neue Epoche.

1839: Charles-Émile Steiner und das Adrianopelrot

Charles-Émile Steiner übernahm 1839 die Färberei und führte ein aus England stammendes Verfahren zur Herstellung des berühmten Adrianopelrots ein. Das tiefe, leuchtende und besonders beständige Rot wurde zu einer Signatur der Manufaktur.

Seine Herstellung erforderte höchste Präzision bei der Vorbereitung der Farben und der Behandlung der Stoffe. Schon damals zeigte sich ein Grundsatz, der Beauvillé bis heute prägt: technische Innovation und ästhetischen Anspruch miteinander zu verbinden.

1843: die Vollendung des Handdrucks mit Holzmodeln

Ab 1843 entwickelte und perfektionierte die Manufaktur den Druck mit handgeschnitzten Holzmodeln. Jedes Motiv wurde in Holz graviert und Farbe für Farbe auf den Stoff übertragen. Eine einzige Komposition konnte Hunderte exakt aufeinander abgestimmte Druckvorgänge verlangen.

Die erhaltenen Druckmodel und Textilarchive zeugen noch heute von der außergewöhnlichen Feinheit dieser Arbeit.

Internationale Anerkennung auf den Weltausstellungen

Im 19. Jahrhundert präsentierte die Manufaktur ihre Stoffe auf bedeutenden Industrie- und Weltausstellungen. Zahlreiche Auszeichnungen würdigten die Qualität des Drucks, die Beherrschung der Farben und die Komplexität der Dessins.

Auf der Pariser Weltausstellung 1900 erhielt ein japanisches Paneel mit 36 Farben und 840 gravierten Holzmodeln den ersten Preis. Damit erlangte das Können der Werkstätten von Ribeauvillé internationale Anerkennung.

Die 1960er-Jahre: Flachfilmdruck nach Lyoner Art

In den 1960er-Jahren entwickelte die Manufaktur den Flachfilmdruck nach Lyoner Art. Jede Farbe wird durch einen eigenen Rahmen aufgetragen, den der Drucker mit großer Genauigkeit auf dem Stoff positioniert.

Das Verfahren bewahrt die Tiefe der Farbtöne und die Präzision der Zeichnung. Zugleich eröffnete es der Manufaktur ein neues Tätigkeitsfeld: bedruckte Tischwäsche und hochwertige Heimtextilien.

1980: die Rettung der Werkstätten und ein neuer Anfang

Ende der 1970er-Jahre geriet die französische Textilindustrie in eine schwere Krise. Die Manufacture Charles Steiner musste 1979 Insolvenz anmelden.

Durch eine Übernahme im Jahr 1980 konnten die Werkstätten von Ribeauvillé, die Arbeitsplätze und das über Jahrhunderte erworbene Wissen bewahrt werden. Das Unternehmen erhielt den Namen Manufacture d’Impression sur Étoffes, kurz MIE. Arné Borin, ehemaliger Manager der Boussac-Gruppe, leitete die Umstrukturierung und bereitete eine neue Zukunft jenseits der reinen Auftragsfertigung vor.

Die Entstehung der Marke Beauvillé

Mitte der 1980er-Jahre entwickelten Jean-Michel Borin und Martine Nourissat eine neue Kollektion für Tisch und Interieur. So entstand Beauvillé als Marke, die das Können der Textilmanufaktur unmittelbar in private Wohnräume bringen sollte.

Jean-Michel Borin übernahm 1987 die Kontrolle des Unternehmens. 1989 wurde die Marke Beauvillé in Frankreich und anschließend international geschützt. Tischdecken, Stoffservietten, Tischsets, Tischläufer und Geschirrtücher werden seither in Ribeauvillé entworfen, bedruckt und konfektioniert. Topkapi wurde zu einem emblematischen Dessin der Maison. 1994 übertrug eine Zusammenarbeit mit Dibbern ausgewählte Motive auf Porzellan.

Seltene Handwerkskunst an einem einzigen Standort

Die Einzigartigkeit von Beauvillé beruht auf der Verbindung seltener Berufe an einem Ort. Designer, Coloristen, Graveure, Handdrucker, Veredlerinnen, Näherinnen und die Qualitätskontrolle arbeiten gemeinsam an jeder Kollektion.

Beauvillé spinnt und webt die Baumwolle nicht selbst. Die Expertise liegt in der Gestaltung, Farbentwicklung, dem Textildruck, der Veredelung und der Konfektion. Für jede Farbe ist ein eigener Rahmen notwendig. Erst nach zahlreichen präzisen Druckvorgängen folgen Ausrüstung, Fadenlaufkontrolle, Näharbeit und Endprüfung.

So entsteht hochwertige französische Tischwäsche vollständig in Ribeauvillé.

2009: Auszeichnung als Entreprise du Patrimoine Vivant

2009 erhielt die Manufaktur das französische Gütesiegel Entreprise du Patrimoine Vivant. Die staatliche Auszeichnung würdigt Unternehmen, die seltene handwerkliche oder industrielle Spitzenkompetenzen bewahren.

Sie bestätigt die außergewöhnliche Beherrschung des Textildrucks und das Engagement für die Weitergabe dieser Berufe.

2023: ein Museum für ein lebendiges Erbe

2023 eröffnete Beauvillé auf dem Produktionsgelände in Ribeauvillé ein Museum. Archive, bedruckte Stoffe, gravierte Holzmodel und historische Werkzeuge erzählen die Entwicklung des Textildrucks.

Das Museum ist nicht nur ein Ort der Erinnerung. Die dort vorgestellten Techniken leben in den heutigen Kollektionen weiter.

Beauvillé heute: Geschichte wird zur Kreation

Heute verbindet Beauvillé sein Erbe mit zeitgenössischen Inspirationen. Jede Tischdecke, jede Serviette und jedes Accessoire trägt die Erinnerung an einen Ort, ein Dessin und die Hand des Menschen in sich.

Seit 1839 haben sich Techniken und Stile gewandelt. Geblieben ist der Anspruch, in Ribeauvillé bedruckte Stoffe von außergewöhnlicher Qualität zu schaffen.

Bei Beauvillé wird Geschichte nicht nur erzählt. Sie wird Farbe für Farbe gedruckt.